Gehirn und Körper trainieren

Kognitiv-motorisches Training stärkt nicht nur das Gehirn, sondern verbessert auch Gleichgewicht, Haltung und Sicherheit im Alltag. Wollen Sie langfristig gesund und aktiv bleiben? Dann profitieren Sie, wenn Sie gleichzeitig Gehirn und Körper trainieren.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten sich besser konzentrieren, Sie wären fähig, aktiver zu reagieren und schneller zu handeln. Dies würde Ihren Alltag wohl in vielen Bereichen verbessern. Genau hier setzt das kognitiv-motorische Training an, das körperliche Übungen mit geistigen Aufgaben kombiniert. Dabei wird beispielsweise während des Gehens oder Balancierens eine Übung wie Kopfrechnen oder Begriffe aufzählen ausgeführt. Dadurch müssen mehrere Hirnregionen gleichzeitig arbeiten, was zu einer höheren Aufmerksamkeit, einer schnelleren Reaktion, der Stärkung von Gedächtnis und Problemlösungskompetenzen und zu einer verbesserten Entscheidungsfähigkeit führen kann. Auch körperlich zeigen sich Vorteile: Etwa in einem sicheren Gang, einem besseren Gleichgewichtsgefühl und einer verbesserten Körperhaltung. Dadurch ver­ringert sich das Sturzrisiko, während die Sicherheit im Alltag steigt. Auch kann das Training als Unterstützung nach einer neurologischen Erkrankung zum Einsatz kommen, etwa nach einem Schlaganfall. Mit kognitiv-motorischem Training werden gezielt Aufmerksamkeit, Reaktion, Orientierung, Gedächtnis und Entscheidungsfähigkeit trainiert – Faktoren, die eine zentrale Rolle für die körperliche Leistungsfähigkeit und Sicherheit im Alltag spielen.

Bewegung ist nicht nur essenziell für den Körper, auch das Hirn profitiert.

Neue Nervenzellen, aktivierte Hirnbereiche

Bewegung ist nicht nur essenziell für den Körper, auch das Hirn profitiert. So erhöht Aktivität die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Gehirns. Es werden neue Nervenzellen produziert, die Gedächtnis und Lernfähigkeit verbessern, und durch Bewegung können neue Vernetzungen im Hirn entstehen. Auch werden durch körperliche Aktivitäten verschiedene Hirnbereiche aktiviert. Wer seine Fähigkeiten präventiv verbessern will, kann das kognitiv-motorische Training in der Regel ohne Fachpersonen ausführen. Kommt es nach einer Erkrankung wie einem Schlaganfall, Demenz oder Parkinson zum Einsatz, kommen Fachpersonen aus Physiotherapie, Ergotherapie, Neuropsychologie oder Sportwissenschaft dazu. Diese können die Übungen je nach Ziel und Gesundheitszustand anpassen, Fortschritte verfolgen und Überforderung vermeiden.

Probieren Sie′s aus

Wer das Training eigenständig testen möchte, sollte langsam beginnen und den Schwierigkeitsgrad schrittweise steigern. Probieren Sie folgende Übungen aus:

  • Beim Spazieren zählen Sie rückwärts oder nennen Tiere oder Wörter mit einem bestimmten Buchstaben. Das trainiert die Aufmerksamkeit, die Koordination und die Gangstabilität.
  • Sie werfen einen Ball oder eine Socke hoch, während Sie verschiedene Matheaufgaben lösen. Das trainiert die Reaktionsfähigkeit, die Hand-Augen-Koordination und die Aufmerksamkeit.

Viele Personen, die mit kognitiv-motorischem Training beginnen, sind überrascht, wie viel Spass die Übungen machen und wie schnell sie Fortschritte im Alltag erzielen.

Studien belegen Wirksamkeit auch bei Demenz

Kognitiv-motorisches Training verbessert nicht nur die kognitive Fähigkeit von Menschen mit ersten Anzeichen einer Demenz, sondern führt auch zu positiven Veränderungen im Gehirn. Dies zeigen zwei Studien von Forschenden der ETH Zürich und der Ostschweizer Fachhochschule. Rund 40 Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen und einem Durchschnittsalter von 73 Jahren trainierten dafür zwölf Wochen lang fünf Mal die Woche jeweils rund 25 Minuten. Dank des Trainings verbesserte sich ihre geistige Leistungsfähigkeit. Ausserdem nahm das Volumen der Hirnregionen, die für das Gedächtnis verantwortlich sind, zu.

Autor: Kathrin Reimann