Bern (sda) – Sonnencreme gehört für viele Menschen zum Sommer wie Badehose und Sonnenbrille. Doch wie schützt die Creme die Haut eigentlich vor der Sonne? Und was ist an der Behauptung dran, dass Sonnencreme schädlich ist? Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Wie funktioniert Sonnencreme?
Sonnencreme schützt die Haut, indem sie die schädlichen UV-Strahlen der Sonne abfängt, bevor sie in die Haut eindringen können. Dazu gibt es organische (oder chemische, wie sie oft genannt werden) und mineralische UV-Filter.
Auf molekularer Ebene passiert Folgendes: Ein UV-Photon (ein Lichtteilchen) trifft auf ein UV-Filter-Molekül in der Sonnencreme. Das Molekül nimmt dabei die Energie des Photons auf. Dadurch werden die Elektronen im Molekül kurzzeitig in einen energiereicheren Zustand versetzt.
Die Energie wird dabei auf die Bewegung und Schwingung der Atome im Molekül übertragen. Diese zusätzliche Bewegung ist letztlich das, was wir physikalisch als Wärme bezeichnen. Das Molekül kehrt danach in seinen ursprünglichen Zustand zurück und kann erneut UV-Strahlung aufnehmen. So wird die Energie der UV-Strahlen entschärft, bevor sie die DNA und andere Bestandteile der Hautzellen schädigen kann.
Mineralische Filter wie Zinkoxid und Titandioxid funktionieren ähnlich, absorbieren UV-Energie und geben sie als Wärme ab; zusätzlich streuen sie einen Teil des Lichts.
Heizt Sonnencreme also die Haut auf?
Nein, normalerweise nicht spürbar. Zwar wird ein Teil der UV-Energie tatsächlich in Wärme umgewandelt, diese Wärmemenge ist aber sehr klein. Der grösste Teil der Wärme, die wir in der Sonne spüren, kommt nicht von UV-Strahlung, sondern von sichtbarem Licht und Infrarotstrahlung. Wenn sich eingeschmierte Haut manchmal wärmer anfühlt, liegt das eher an der Schicht auf der Haut und daran, dass Schweiss anders verdunstet – nicht daran, dass die UV-Filter nennenswert Hitze erzeugen.
Was ist der Lichtschutzfaktor genau?
Der Lichtschutzfaktor (LSF oder SPF) gibt an, um welchen Faktor die Eigenschutzzeit der Haut theoretisch verlängert wird. Hätte also jemand ohne Sonnencreme nach fünf Minuten einen Sonnenbrand, würde dies mit einer Sonnencreme mit LSF 30 theoretisch erst nach 150 Minuten passieren.
Warum nur theoretisch?
Es handelt sich dabei um einen Wert, der unter Laborbedingungen gemessen wird. Die Sonnencreme wird dabei von einer Art Roboter exakt gleichmässig in einer genau festgelegten Menge aufgetragen – typischerweise 2 Milligramm pro Quadratzentimeter Haut. Anschliessend wird die Haut mit einer standardisierten UV-Quelle bestrahlt. Die Forschenden vergleichen dann die UV-Dosis, die nötig ist, um auf eingecremter Haut eine leichte Rötung hervorzurufen, mit der Dosis, die auf unbehandelter Haut denselben Effekt verursacht. Diese minimale Dosis, die einen Sonnenbrand auslöst, wird als „Minimal Erythema Dose“ (MED) bezeichnet. Der Lichtschutzfaktor ergibt sich aus dem Verhältnis dieser beiden Werte.
In der Realität tragen viele Menschen deutlich weniger Sonnencreme auf als in den Tests. Hinzu kommt, dass die Schutzschicht durch Schwitzen, Baden, Abtrocknen mit dem Handtuch oder schlicht durch Berührungen der Haut nach und nach beeinträchtigt wird. Auch die Sonneneinstrahlung ist im Alltag viel weniger kontrolliert als im Labor. Der auf der Verpackung angegebene Lichtschutzfaktor ist deshalb ein standardisierter Vergleichswert für die Schutzwirkung eines Produktes – keine Garantie dafür, wie lange man sich gefahrlos in der Sonne aufhalten kann.
Sind Sonnencremes schädlich?
Nach aktuellem Wissensstand überwiegt der Nutzen von mineralischen und organischen UV-Filtern die Risiken, wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) auf seiner Internetseite schreibt. Auf Sozialen Medien wird oft vor Produkten mit dem UV-Filter Octocrylen gewarnt. Durch längere Lagerung könnte Octocrylen zu Benzophenon abgebaut werden, das im Verdacht steht, hormonähnlich zu wirken.
Das BLV verweist auf seiner Internetseite dabei auf das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), laut dem sich die Entstehung von Benzophenon durch Auswahl geeigneter Rohstoffe sowie durch die Zusammensetzung des Produktes so begrenzen lässt, dass keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen für Verbraucherinnen und Verbraucher zu erwarten sind.
Auch Titandioxid-Nanopartikel, die in manchen mineralischen Sonnencremes verwendet werden, gelten bei Anwendung auf der Haut nach Bewertung des wissenschaftlichen EU-Gremiums SCCS als unbedenklich – bis zu einer Konzentration von 25 Prozent. Studien zeigen, dass Nano-Titandioxid in kosmetischen Produkten nicht in den menschlichen Blutkreislauf eindringt,