Die Haut im Bann der Hormone

Ob Pubertätsakne, Schwangerschaftsglow oder Altersfalten: Die Haut erzählt die hormonelle Geschichte eines ganzen Lebens. Und zeigt, wie sehr sie als grösstes Organ des Menschen dem Auf und Ab der Hormone ausgesetzt ist.

Kein anderes Organ zeigt so unmittelbar, wie es um das hormonelle Gleichgewicht steht wie die Haut. In jeder Lebensphase beeinflussen hormonelle Schwankungen die Feuchtigkeit, Elastizität, Pigmentierung, Talgproduktion und den Haarwuchs. Dabei ist die Haut nicht nur Empfängerin hormoneller Signale, sondern selbst ein aktiver Teil des endokrinen Systems: Hautzellen können Hormone umwandeln, speichern und sogar selbst herstellen.

Die bekanntesten Einflüsse kommen von den Sexualhormonen, die den Körper  und damit auch die Haut das ganze Leben begleiten. In der Kindheit ist die Haut weich, glatt, nahezu makellos, die Talgdrüsen noch inaktiv. Mit der Pubertät erhöht sich die Sexualhormonproduktion und hormonelle Schwankungen beeinflussen zu­nehmend das Hautbild. Männliche Sexualhormone wie Testosteron regen die Talgproduktion an und können bei genetischer Veranlagung zu Akne führen.

Das weibliche Sexualhormon Östrogen wiederum sorgt für glatte, elastische Haut, unterstützt die Zellregeneration und verbessert die Feuchtigkeits­bindung. In der Schwangerschaft erreicht der Östrogenspiegel Höchstwerte – und verleiht der Haut den sprichwörtlichen Glow. Nach der Geburt des Kindes fällt der Hormonspiegel der Mutter abrupt ab. Pigmentveränderungen wie das sogenannte Melasma, Flecken im Gesicht, an Hals oder Dekolleté können von dieser hormonellen Achterbahnfahrt zeugen.

“ Hautzellen können Hormone umwandeln, speichern und sogar selbst herstellen. „

Auch Männer sind betroffen

In der Menopause zeigt sich die enge Verbindung zwischen Haut und Hormonen besonders deutlich. Mit dem Rückgang der Östrogene verliert die Haut an Spannkraft. In der Folge sinkt der Kollagengehalt, Elastinfasern werden weniger, die Wasserbindung lässt nach. Die Haut wird dünner, trockener und faltiger. Auch Progesteron, ein weiteres weibliches Hormon, sinkt in dieser Lebensphase; ein Mangel an Östrogen kann zu unreiner oder akneähnlicher Haut führen. «Tatsächlich sind rund zehn Prozent aller über 40-jährigen Frauen von Spätakne betroffen», sagt der Zürcher Dermatologe Severin Läuchli.

Männer erleben hormonelle Veränderungen – abgesehen von der Pubertät – deutlich schleichender. Doch auch bei ihnen sinkt etwa ab dem 40. Lebensjahr die Produktion der Sexualhormone. Die Folgen sind ähnlich wie bei der Frau: Die Haut wird trockener und zunehmend schlaffer, sie verliert an Elastizität, Falten und Tränensäcke zeigen sich.

Severin Läuchli rät bei plötzlich auftretender starker Akne zu einer ärztlichen Abklärung. «Zum Beispiel gibt es die Option, die Antibabypille zu verschreiben, was die hormonell begünstigte Akne lindert», sagt er. Auch Antibiotika seien eine Möglichkeit, da sie die Entzündung hemmen und jene Bakterien reduzieren, die Akne mitverursachen.

Ebenfalls spielen Ernährung und Lebensstil für die Hautgesundheit eine wichtige Rolle. Nicht rauchen, ausreichend Bewegung, genug Wasser trinken sowie eine Ernährung reich an Antioxidantien und Omega-3-Fettsäuren helfen, das hormonelle Gleichgewicht zu stabilisieren und die Haut widerstandsfähiger zu machen.

Haut unter Stress

Nicht nur Sexualhormone prägen das Hautbild, auch andere Botenstoffe greifen ein. «Stress kann entzündliche Hauterkrankungen verstärken», sagt Severin Läuchli. Das ausgeschüttete Cortisol kurbelt Entzündungen an, verzögert die Heilung, erhöht die Talgproduktion und schwächt die Abwehr. Auch die Hormone Insulin und Melatonin hinterlassen Spuren: Hoher Insulinspiegel fördert Akne, ein Mangel trocknet die Haut aus. Fehlt Melatonin, verliert die Haut ihren eigenen UV-Schutz und ihren gesunden Schimmer.

Tipps aus der Apotheke

Nicht immer ist ein Eingriff mit starken Medikamenten nötig. Der Wirkstoff Benzoylperoxid etwa, der zur Aknetherapie eingesetzt wird, ist rezeptfrei in Apotheken erhältlich und wirkt antibakteriell. Auch Vitamin-A-Präparate können helfen – als Tablette bei schwerer Akne oder als Creme bei leichteren Formen. «Fettende Cremes sind sehr ungünstig», sagt der Zürcher Dermatologe Severin Läuchli. Besser seien feuchtigkeits­spendende Produkte mit entzündungslindernden und abschuppenden Wirkstoffen. Neben Vitamin A zählt da beispielsweise auch Salicylsäure dazu.

Autor: Stephanie Schnydrig