Sehkraft in Gefahr

Zu den häufigsten Augenerkrankungen in der Schweiz gehören der graue und der grüne Star. Lesen Sie, wie die Krankheiten entstehen, was sie voneinander unterscheidet, und welche Therapien helfen.

Auch wenn es der Name nahelegt – gemeinsam haben grüner und grauer Star wenig. Während sich der graue Star nach Auftreten der Symptome operativ behandeln lässt, sind die Schäden beim grünen Star irreversibel. Hier liegt der Fokus auf der Vorbeugung.

Glaukom: Früherkennung rettet Sehen

Bei grünem Star, der auch als Glaukom bezeichnet wird, sterben nach und nach die Fasern des Sehnervs ab. Beatrice Früh, Chefärztin an der Universitätsklinik für Augenheilkunde am Inselspital Bern, sagt: «Verantwortlich ist hier in der Regel ein erhöhter Augeninnendruck, der den Sehnerv schädigt.» In seltenen Fällen werden die Schädigungen durch eine schlechte Durchblutung oder andere mechanische Faktoren hervorgerufen.

Ob man am grünen Star erkrankt oder nicht, lässt sich nur bedingt beeinflussen. Eine familiäre Vorbelastung, das Alter, eine starke Kurz- sowie eine starke Weitsichtigkeit können das Risiko erhöhen. Wer unter zu niedrigem oder zu hohem Blutdruck, Diabetes oder chronischen Entzündungen leidet, sollte spätestens ab dem 40. Lebensjahr alle zwei Jahre einen Glaukom-Check durchführen lassen. Dabei wird der Augeninnendruck gemessen, der Sehnerv und der Augenhintergrund werden kontrolliert sowie das Gesichtsfeld überprüft. «Früherkennung ist besonders wichtig, da der grüne Star im Frühstadium oft keine Symptome zeigt», sagt Beatrice Früh. Erst später könnten Gesichtsfeldausfälle, also Sehdefekte, sowie Lichtkränze oder Halos um Lichtquellen auftreten.

Das wichtigste Ziel bei grünem Star ist es, den Augeninnendruck zu senken. So können weitere Schäden am Sehnerv verhindert werden. Das gelingt meistens mit Augentropfen, die Betroffene ein Leben lang anwenden müssen. Bei etwa drei bis fünf Prozent der Erkrankten wird mithilfe eines chirurgischen Eingriffs oder einer Laserbehandlung ein neuer Abfluss für das Kammerwasser angelegt. Die Teile des Sehnervs, die bereits geschädigt sind, können nicht wiederhergestellt werden. Nebst Vorsorgeuntersuchungen rät Beatrice Früh zu einer gesunden Lebensweise, um Risikofaktoren wie Bluthochdruck zu minimieren.

Grauer Star: Trübe Linse, klare Lösung

Grauer Star ist auch unter dem Namen Katarakt bekannt. Bei der Krankheit trübt sich die Augenlinse ein. Ursachen dafür sind Beatrice Früh zufolge das Alter, genetische Veranlagung, UV-Strahlung, Rauchen, Medikamente wie Kortison oder Krankheiten wie Diabetes mellitus. Das Risiko für grauen Star steigt bei starker Kurzsichtigkeit, körperlicher Inaktivität und einem Mangel an Mikronährstoffen, insbesondere Vitamin C. «Die Trübung entwickelt sich langsam über Jahre hinweg», sagt die Augenärztin.

Die ersten Anzeichen sind vielfältig. So sieht man auf dem betroffenen Auge nach und nach unschärfer, man hat das Gefühl, ein Schleier liegt auf dem Auge. Die Farben können weniger intensiv wahrgenommen werden, der Eindruck eines Grau-in-Grau-Nebels entsteht. Zahlreiche Betroffene berichten von Doppelbildern und einer starken Blendempfindlichkeit. Ob es sich um grauen Star handelt, stellt der Augenarzt oder die Augenärztin bei einer Untersuchung mit der sogenannten Spaltlampe fest. Im Gegensatz zum grünen Star kann bei dieser Diagnose schnell und dauerhaft geholfen werden. «Die operative Entfernung der trüben Linse und das Einsetzen einer Kunstlinse gehört zur Standardbehandlung», sagt Beatrice Früh.
Um grauem Star vorzubeugen, sollte man aufs Rauchen verzichten und die Augen beispielsweise mit einer Sonnenbrille gut vor UV-Strahlung schützen. Zusätzlich empfiehlt Beatrice Früh regelmässige körperliche Aktivität, Übergewicht zu vermeiden und eine ausreichende Zufuhr von Vitamin C, etwa 300 bis 600 Milligramm pro Tag.

Hilfe aus der Apotheke bei ersten Augenbeschwerden

Ein gesunder Lebensstil kann das Risiko senken, an grünem und grauem Star zu erkranken. Die Augenlinse ist auf eine gute Versorgung mit wichtigen Nährstoffen angewiesen – zu den entsprechenden Produkten berät Sie Ihre Apothekerin oder Ihr Apotheker gerne. Auch Mittel zur Augenpflege, beispielsweise gegen trockene oder gereizte Augen, können Ihnen empfohlen werden.

Autorin: Claudia Füßler