Zwinkern und Blinzeln erwünscht

Stundenlanges Starren auf Bildschirme macht die Augen müde, trocken und
reizbar – doch für viele ist es schon aus beruflichen Gründen unausweichlich. Digitaler Sehstress ist zur Volkskrankheit geworden. Die gute Nachricht ist, dass es einfache Mittel zur Entlastung der Augen gibt.

Von frühmorgens bis spätabends flimmern Displays vor unseren Augen – im Bett, unterwegs, bei der Arbeit, abends auf der Couch. Das bleibt nicht ohne Folgen: Trockene, brennende, tränende Augen, Juckreiz, verschwommenes Sehen, Kopfschmerzen, Nacken- und Schulterschmerzen gehören zu den häufigsten Symptomen des digitalen Sehstress-Syndroms. Davon betroffen sind durchschnittlich sieben von zehn Personen, wie eine Analyse von mehr als 100 Studien weltweit zeigt.

Eine Übersichtsarbeit mit über 330 000 Personen macht klar: Je länger die Bildschirmzeit, desto grösser das Risiko für Kurz­sichtigkeit. Darüber hinaus kann digitaler Sehstress mit Konzentrations- und Schlafproblemen, Angst und sogar mit depressiven Verstimmungen einhergehen.

Zu seltenes Blinzeln, zu offener Blick

Beim Bildschirmstarren blinzelt man seltener. Dabei ist dies essenziell, um die Augenoberfläche zu stabilisieren und gesund zu halten. Wenn man in die Ferne blickt, blinzelt man im Schnitt 16 Mal pro Minute, beim Blick auf ein Tablet sind es dagegen nur etwa sechs Mal. Dadurch reisst der Tränenfilm auf, bevor er erneuert wird. Die Augenoberfläche trocknet aus. Beim Ar­beiten am Bildschirm sind die Augen weit geöffnet, was die Verdunstung der Tränenflüssigkeit zusätzlich fördert.

Zudem liegt der Sehabstand zum Bildschirm oft näher als etwa beim Lesen eines Buches, was die Augenmuskulatur stärker beansprucht. Auch ist das Licht des Bildschirms greller und härter. Bücher reflektieren Licht lediglich, was verträglicher ist.

 

„Je länger die Bildschirmzeit, desto grösser das Risiko für Kurzsichtigkeit“

 

Was hilft – und was nicht

Viele können es im Beruf nicht vermeiden, täglich stundenlang auf den Bildschirm zu schauen. Trotzdem sollte man den Augen Pausen gönnen. Die 20–20–20-Regel besagt: Alle 20 Minuten für 20 Sekunden in 20 Meter Entfernung blicken. Auch gezielte Entspannungsübungen sind ratsam. Der Verband Optikschweiz empfiehlt etwa, einen Bleistift in die Hand zu nehmen und den Arm zu strecken. Dann den Bleistift mit den Augen fixieren, anschliessend in die Ferne schauen. Oder Sie stützen sich mit den Ellbogen auf den Knien ab, legen die Handflächen auf das Gesicht, sodass die Augen abgedeckt sind und bleiben zwei bis drei Minuten in dieser Stellung.

Augentropfen lindern Symptome wie trockene Augen und wer Kontaktlinsen trägt, sollte diese gelegentlich gegen die Brille austauschen. Brillen mit Blaulichtfilter helfen insbesondere gegen Abend, da das von Bildschirmen abgestrahlte blaue Licht wachhalten kann.

Unterstützen können zudem bestimmte Nahrungsergänzungsmittel. Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend und können die Tränenproduktion fördern. Pflanzenfarbstoffe aus Beeren, sogenannte Anthocyane, lindern Augenmüdigkeit. Carotinoide wie Lutein und Zeaxanthin filtern Blaulicht und verbessern das Kontrastsehen.

Wichtig: Bei anhaltenden Beschwerden empfiehlt Dominic Ramspeck von Optikschweiz einen Augencheck bei einer Optometristin oder einem Optometristen. «Treten Probleme plötzlich auf und sind sie mit Schmerzen verbunden, braucht es hingegen eine umgehende augenärztliche Abklärung.» In der Apotheke können erste Abklärungen erfolgen, zudem erhalten Betroffene Beratung sowie geeignete Pflegemittel für die Augen.

Mehr Sehhilfen, aber nicht unbedingt wegen der Bildschirme

Vier von fünf Erwachsenen tragen heute eine Sehhilfe. Vor zwanzig Jahren war es jede zweite Person. Dies geht teilweise auf den demografischen Wandel zurück, weil mit dem Alter das Sehvermögen naturgemäss abnimmt. Die Bildschirmzeit macht die Augen nicht per se schlechter, aber: «Leichte Sehfehler, die man sonst gut kompensiert, können sich bei langer Bildschirmzeit bemerkbar machen», sagt Dominic Ramspeck von «Optikschweiz». Anders sieht es bei Kindern im Wachstum aus. Besonders hohe Bildschirmzeit könnte Kurzsichtigkeit bei ihnen quasi antrainieren.

Autor: Stephanie Schnydrig