Medizin – Doppeltherapie verhilft Schlaganfallopfern zu mehr Mobilität

(sda) Durch die Verbindung einer Gehirn-Maschine-Schnittstelle (Brain-Machine-Interface) mit funktioneller Elektrostimulation können Schlaganfallopfer ihre gelähmten Arme auch Jahre nach dem Ereignis wieder besser bewegen. Auch langfristig führt die Therapie zu einer erhöhten Funktionalität.

Die Lähmung einer Extremität ist eine der häufigsten Folgen nach einem Schlaganfall. Die ETH Lausanne, die Rehabilitationsklinik Sitten und das Universitätsspital Genf haben eine neue Behandlungsmethode im Rahmen einer klinischen Studie getestet.

„Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, die Nerven des gelähmten Arms nur dann zu stimulieren, wenn der betroffene Teil des Gehirns aufgefordert wird, eine Bewegung zu machen, auch wenn der Patient diese nicht ausführen kann“, wird José Millán, Direktor des Defitech-Lehrstuhls an der ETH Lausanne, in einem Communiqué vom Dienstag zitiert.

Bei der Methode geht es darum, diese beiden natürlichen Nervenbahnen von Signaleingang und -ausgang wieder zu verbinden. Siebenundzwanzig Patienten im Alter von 36 bis 76 Jahren nahmen an der klinischen Studie teil. Alle hatten eine ähnliche Läsion, nämlich eine mittlere bis schwere Lähmung des Arms nach einem Schlaganfall vor mindestens zehn Monaten.

Die Hälfte von ihnen berichtete von klinisch signifikanten Verbesserungen der Beweglichkeit des gelähmten Arms nach gleichzeitiger Behandlung mit beiden Techniken. Die andere Hälfte der Probanden wurde nur mit elektrischer Stimulation behandelt und diente als Kontrollgruppe.

Reaktiviertes Gewebe
„Wir haben festgestellt, dass bei den mit der Gehirn-Maschine-Schnittstelle behandelten Patienten das neuronale Gewebe, das den betroffenen Bereich umgibt, viel aktiver ist und dank seiner Plastizität die Funktionen des geschädigten Gewebes teilweise ergänzen kann“, sagt Millán.

Die elektroenzephalographischen Analysen zeigten eine deutliche Zunahme der Verbindungen zwischen den motorischen kortikalen Regionen des betroffenen Bereichs. Dies führt beim Patienten zu einer Verbesserung der Bewegungsfreiheit.

Zudem liess die erhöhte Funktionalität nach der Therapie nicht nach. Sechs bis zwölf Monate nach der ersten Behandlung hatten die Patienten nichts von ihrer zurückgewonnenen Mobilität verloren. Diese Studie wurde in der Zeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht.