Gesundheit – Zecken stechen Kinder häufiger an Kopf und Hals als Erwachsene

(sda) Zecken stechen Kinder zehnmal häufiger an Kopf und Hals als Erwachsene. Dies ist laut der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) mit dem Freizeitverhalten zu erklären – und damit, dass Zecken nicht von den Bäumen fallen.

Seit 2015 können Personen, die von einer Zecke gestochen wurden, über eine ZHAW-App eine entsprechende Meldung erstatten. Über 10’000 Stichmeldungen sind mittlerweile zusammengekommen. Diese Daten hat das Departement Life Sciences und Facility Management der ZHAW in Wädenswil nun analysiert.

Zecken schlagen bei Spiel und Sport zu
Bei Kindern bis zwölf Jahren finden sich 40 Prozent aller per App gemeldeten Zeckenstiche an Kopf und Hals. Bei Erwachsenen zwischen 26 und 80 Jahren ist hingegen zu fast drei Vierteln der Unterkörper betroffen (72 Prozent).

Die Verteilung kommt nicht von ungefähr: Entgegen der landläufigen Meinung lassen sich die Zecken nicht von den Bäumen fallen, hält die ZHAW in ihrer Mitteilung fest. „Sie klettern bis maximal ein Meter über Boden und lassen sich dann abstreifen.“ Und da Kinder beim Spielen gern Kopf voran durchs Gebüsch steigen oder durchs hohe Gras rennen, sind bei ihnen Zeckenstiche auch häufiger an Kopf und Hals zu finden.

Wie die ZHAW-Daten weiter zeigen, werden am häufigsten Outdoor-Sportler und Spaziergänger von Zecken gestochen – rund die Hälfte der Stichmeldungen gehen auf sie zurück. Bei Gartenarbeiten (24 Prozent) sowie beim Barbecue, beim Picknick und bei der Pinkelpause unter freiem Himmel (je 6 Prozent) stechen Zecken ebenfalls gern zu.

Die Daten bestätigen die geltenden Empfehlungen: Kinder sollten nach der Aktivität im Freien vor allem am Haaransatz, hinter den Ohren, am Kopfhaar und danach am ganzen Körper auf Zecken untersucht werden, schreibt die ZHAW. Bei den Erwachsenen liege der Fokus des Zecken-Checks auf Ober- und Unterschenkel, Kniekehle, Leiste, Achselhöhe und Genitalbereich.

Nicht nur eine virtuelle Analyse
Die User der kostenlosen ZHAW-App „Zecke“ können freiwillig und anonym Angaben über einen Zeckenstich übermitteln. Im Gegenzug erinnert die App nach 5, 10 und 28 Tagen an die Kontrolle des Zeckenstichs auf mögliche Krankheitssymptome.

Neu können Gestochene sich nicht nur virtuell melden, sie können ihre Zecke auch ins Nationale Referenzzentrum für zeckenübertragene Krankheiten senden. Dort werden die Tiere auf rund zehn Krankheitserreger untersucht.

So liessen sich künftig bessere Aussagen über den Verbreitungsgrad von Infektionskrankheiten machen, schreibt die ZHAW. Bislang sind 86 Zecken eingetroffen. Für aussagekräftige Ergebnisse sind die Forscher auf mindestens 1000 im App-Tagebuch erfasste Zecken angewiesen, die ihnen zugeschickt werden.

Der Einsender erhält aber die Analyseresultate des Labors nicht: Ein positiver Erreger-Befund sagt gemäss der Mitteilung noch nichts darüber aus, ob zuvor auch eine Übertragung auf den Menschen stattgefunden hat. Zudem könnte ein negativer Befund eine falsche Sicherheit vorgaukeln – eine Infektion durch einen anderen, unbemerkten Zeckenstich sei immer möglich.